Portraits

 

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen Sollinger Persönlichkeiten und Sagengestalten vor.

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Die Stinewase von Hellental

Der Freischütz

Der Rebell

Die Landfrau

Christine Schütte

Die Stinewase von Hellental

 

Die 1850 in Schorborn geborene Christine Grupe arbeitete nach ihren Schuljahren als Magd auf einem Bauernhof und als Dienstmädchen in einer Holzmindener Bürgerfamilie. Im Jahre 1873 heiratete sie in Hellental den Waldarbeiter Wilhelm Schütte. Da damals Ärzte selten in die abgelegenen Sollingdörfer kamen, kümmerten sich vor allem ortsansässige heilkundige Frauen und Hebammen um die Kranken. Eine von ihnen wurde Christine Schütte, die bald im nördlichen Solling als die „Stinewase“ bekannt wurde. Sie praktizierte viele Jahre lang eine Volksmedizin, die auf mündlicher Überlieferung basierte. Bereits ihre Mutter hatte umfassende Kenntnisse von den Heilkräutern des Sollings besessen, welche sie an ihre Tochter weitergab. Christine Schütte, „das stille, feine Mädchen mit den sinnigen blaugrauen Augen“ (Sohnrey) widmete sich mit großer Hingabe der Krankenpflege. „Es ist in der Tat etwas Wundersames um diese Frau, die den Leidenden völlig uneigennützig dient aus reiner Herzensgüte und mit einer (…) geradezu suggestiven Kraft“, notierte Heinrich Sohnrey. Manchmal wurde sie auch von den Hebammen bei Geburten hinzugezogen. Obwohl sie eine bekennende Christin war, vertraute die Stinewase auch auf Beschwörungs- und Besprechungsformeln. Wenn Kinder zum Beispiel an den weit verbreiteten Scheuerken erkrankten, im 18. und 19. Jahrhundert die häufigste Todesursache bei Kindern, soll sie dreimal gesagt haben: „Was ich hier finde, der liebe Gott gebe, dass es schwinde. Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Verehrt und respektiert von den Dorfbewohnern starb die Stinewase 1922 in Hellental.

 

Literatur:

Klaus A.E. Weber: „Was ich hier finde, der liebe Gott gebe, dass es schwinde.“ Vom volkskundlichen Wirken der „Stinevase von Hellental“, in: Sollingkurier Nr. 3

 

Heinrich Sohnrey: Tchiff tchaff, toho! Gestalten, Sitten und Bräuche, Geschichten und Sagen aus dem Sollinger Wald, Berlin 1929

 

 

 

Georg Schötchen Bartels

Der Freischütz

 

Der am 4. Oktober 1932 als Sohn des Klempners Heinrich Bartels und seiner Ehefrau Charlotte in Sievershausen geborene „Handarbeiter“ Georg Schötchen Bartels zählte in den 1860er Jahren zu den bekanntesten Wilderern des Sollings. In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1868 war er mit zwei Kumpanen auf der Pirsch. Zur selben Zeit streifte auch der Sievershäuser „Fußgendarm“ Schmidt, Mitglied einer „Wilddiebs-Patrouille“, durch die Wälder. Als er einen Gewehrschuss hörte, warf er sich zu Boden und behauptete später, Bartels habe auf ihn geschossen. Noch am Abend des 11. Juli ließ er ihn verhaften. In einem eher fragwürdigen Prozess verurteilte das Göttinger Schwurgericht am 9. Dezember 1868 den Sievershäuser Freischützen wegen versuchten Totschlags zu einer fünfzehnjährigen Zuchthausstrafe. Bereits am 18. Februar 1867 konnte Bartels unter bisher nicht geklärten Umständen aus dem Celler Zuchthaus fliehen. Obwohl Polizisten, Förster, Goslarer Jäger und Einbecker

 Soldaten in den folgenden Monaten Schötchen jagten und zahlreiche Hausdurchsuchungen in Sievershausen vornahmen, konnte er nie gefasst werden.  Wahrscheinlich gelang ihm im Sommer 1868 die Flucht nach Amerika. Für die Finanzierung seiner Überfahrt sollen die Bürger seines Heimatortes, die ihn für unschuldig hielten, gesammelt haben.

In den folgenden Jahren wurde Georg Bartels zum „Robin Hood des Sollings“ verklärt. Erfundene und authentische Geschichten über seine Flucht und sein Versteckspiel mit den Bütteln der Obrigkeit werden noch heute gern erzählt.

 

Literatur:

Creydt, Detlef: Begegnungen auf Leben und Tod: Förster und Wilderer im Solling. Jagd-, Wild und Waldgeschichten im Laufe der Jahrhunderte, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2010

 

 

Stoffel Winkel

Der Rebell

 

Stoffel Winkel, der eigentlich Stoffel Schildknecht hieß, lebte im frühen 17. Jahrhundert in Lippoldsberg an der Weser und war der Anführer einer bewaffneten Bauernguerilla, die sich gegen Übergriffe marodierender Söldner zur Wehr setzte. Obwohl im Gebiet des Sollings und des oberen Wesertals während des Dreißigjährigen Krieges keine Schlachten geschlagen wurden, zogen immer wieder Truppen der Protestanten und der Katholiken durch dieses Gebiet. So brandschatzten in den Jahren 1623 bis 1626 dänische, spanische und andere „Völcker“ im südlichen Solling und im Wesertal. Die kleine Stadt Uslar ging teilweise in Flammen auf. Angesichts sich häufender Überfälle gingen die Bauern zur Selbsthilfe über. Ähnlich wie die „Harzschützen“ griffen sie kleinere Söldnergruppen, die durch ihr Gebiet zogen, aus dem Hinterhalt an und raubten sie aus. Im Jahre 1627 soll „Winkel Stoffel aus Lipsberge“ mit 600 Bauern und „verlaufenen Knechten“ vor den Toren Einbecks gesichtet worden sein. Am 17 Mai 1627 stellte Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig fest, dass dass sich im „Harz und im Solling viele Untertanen zusammenrotteten und sich zur Plackerei, Niederwerfung, Landzwingerei und Mordbrennerei“ gebrauchen ließen. Er drohte den Aufrührern, die weiterhin „im räuberischen Leben“ verharrten, mit Tillys Soldaten und dem Tod. Stoffel Winkel  wurde bei einer Auseinandersetzung mit einem Spießgesellen in Bodenfelde erschossen. Seine „Mitconsorten“ begruben ihn am 14. Juli 1627 auf dem Lippoldsberger Kirchhof.

 

 

Engelchristine

Die Landfrau

 

Engelchristine hieß eigentlich Friederike Hagedorn und lebte von 1838 bis 1923 in Fredelsloh. Die Tochter eines Waldarbeiters und Kleinbauern musste früh auf dem Felde und im Haus mit anpacken und verdingte sich als junge Frau als Dienstmagd in der Försterei Grimmerfeld. Sie erlebte die Hungerjahre der Kartoffelpest“ mit und beobachtete wie im Revolutionsjahr 1848 die jungen Burschen das Klostergut stürmten. Nur ein paar Jahre später hielt das „Amerikafieber“ die Sollingdörfer in Atem. Tausende Kleinbauern, Tagelöhner und Handwerker suchten damals ihr Glück im gelobten Land jenseits des Atlantik. Engelchristine heiratete den gleichaltrigen Waldarbeiter Johann Friedrich Ohle (später: von Ohlen), mit dem sie eine glückliche Ehe führte und vier Kinder hatte. Gemeinsam bauten sie sich eine Existenz auf und profitierten dabei von den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Industriezeitalters, das im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts seinen Einzug im Solling hielt.

Einige Jahre vor ihrem Tod erzählte Engelchristine ihrem Sohn August (Pseudonym: Hanshenderk Solljer) ihre Erinnerungen. Ihre Memoiren berichten anschaulich und facettenreich vom harten Leben der kleinen Leute im Töpferdorf Fredelsloh. Ohne nostalgische Verklärung setzt Engelchristine Töpfern, Himpendreschern, Knechten und Hirten ein literarisches Denkmal. Im Mittelpunkt ihrer beiden Bücher steht jedoch der alltägliche Überlebenskampf der Landfrauen, deren Arbeitstag keinen Anfang und kein Ende kannte.

 

Literatur:

Hanshenderk Solljer: Engelchristine. Lebenserinnerungen einer Landfrau aus dem Solling, Band 1, zweite Auflage, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2014

 

Hanshenderk Solljer: Eigen Herd und eigen Stert...Engelchristine: Lebenserinnerungen einer Landfrau aus dem Solling, Band 2, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden o.J.

 

 

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