Wanderungen

 

Der Solling und seine Nachbarregionen sind Wanderland. Wir nehmen Sie mit auf Reisen durch wunderschöne und vielfältige Landschaften! Ein Klick auf die Folgenden Links bringt Sie zur passenden Geschichte:

 

Wanderung zum Geldloch

Auf den Spuren der wilden Jäger

Eine Ballonfahrt durch den Solling

Von Hilwartshausen über Sängershöh zum Geldloch

Eine Wanderung zur geheimnisumwitterten Höhle

 

von Detlef Creydt

 

 

Eine der schönsten und interessantesten Wanderungen, die der östliche Sollingrand zu bieten hat, ist die auf dem Rücken des Scharfenbergs zu einer kleinen Kalksteinhöhle, dem „Geldloch“. Ausgangspunkt ist der Ort Hilwartshausen.

 

Mitten im Ort befindet sich ein kleiner Platz, auf dem ein Sollingstein mit dem aufgebrachten Wappen des Ortes steht. Hoch ragt dahinter der Maibaum auf. Dieser Platz wird von der „Einbecker Straße“ und der Straße „Schnakenburg“ begrenzt. Die in nordöstlicher Richtung verlaufende „Einbecker Straße“ führt über Hoppensen und Wellersen nach Einbeck. Hier handelt es sich um einen uralten Handelsweg, der im Mittelalter viel benutzt wurde. Er gabelte sich in Hilwartshausen und führte entweder über Vahle nach Uslar oder über Sievershausen nach Höxter.

 

Als den „–hausen Orten“ zugehörig handelt es sich bei Hilwartshausen um ein altes Dorf. 975 wird es erstmalig erwähnt. Der Name „Schnakenburg“ geht auf ein altes Geschlecht zurück, das im Dienste der Grafen von Dassel stand. Vermutlich ist im Schutz dieser Burg das Dorf entstanden. Die Straße „Schnakenburg“ verläuft im Halbrund um den alten Dorfkern und stellt die Keimzelle des alten Ortes dar. Dieser lag auf dem Gebiet des Hochstiftes Hildesheim. Die Grenze zum Fürstentum Calenberg verlief aber direkt am ehemaligen südlichen Ortsrand auf der heutigen „Hauptstraße“. Sicherlich diente deshalb diese Burg vorrangig der Grenzsicherung. Aufgrund dieser Geschichte zeigt das Wappen des Dorfes eine Burg mit zwei Schlangen. Schnaken ist der alte Begriff für Nattern = giftlose Schlangen (z.B. die Ringelnatter). Das Motiv ist dem Wappen der Edelinge von Schnakenburg entlehnt.

Soweit die historische Betrachtung zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. –

 

Wir müssen uns nun entscheiden, ob wir entweder von hier zu Fuß der „Einbecker Straße“ zum Scharfenberg folgen oder mit dem Auto näher heranfahren wollen. Wählen wir die erste Variante, dann liegt ein schöner Aufstieg mit weiter Aussicht vor uns. Bei der verkürzten Tour fahren wir bis zum Waldrand und lassen dort das Auto auf einem Kleinparkplatz stehen. Wir wenden uns nach rechts und folgen einer gut ausgebauten Forststraße auf dem Kamm des Scharfenbergs. Nach ca. einer Viertelstunde biegt ein kleiner Pfad nach links ab. Wir folgen ihm und befinden uns nach wenigen Minuten auf einem Platz, der direkt am Steilhang des Berges liegt. Ein imposanter, weiter Ausblick auf den Sollingrand bis nach Sievershausen entschädigt uns für die Mühe des Aufstiegs. Nachdem wir ausgiebig den Fernblick genossen haben, wenden wir uns nun dem Platz zu. Auf einer auf einem Sollingstein angebrachten Tafel lesen wir: „100 Jahre Sängershöh 1886 – 1986“. Tische und Bänke sowie eine Schutzhütte stehen den Sangesbrüdern des 1884 gegründeten Männergesangvereins „Germania“ aus Hilwartshausen bei Feierlichkeiten zur Verfügung. Auf einer zweiten Ebene befindet sich ein weiteres Gebäude, die „Sängerhütte“. Etwas abgelegen erblicken wir zwei Gedenksteine mit jeweils einer Platte, auf der die Namen der im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Sangesbrüder stehen.

 

Wir wandern wieder etwas aufwärts zu dem Weg, der uns zur Höhle führen soll. Die Forststraße endet hier und geht in einen Wiesenweg über. Nun haben wir die Höhe des Scharfenbergs erreicht, durchqueren drei Wiesen bis wir am steilen Westabhang stehen. Ein nur wenig sichtbarer Fußpfad führt uns von der Wiese zu einem wieder deutlich sichtbaren und mit Handlauf abgesicherten Weg. Nach wenigen Metern stehen wir vor der sagenhaften Höhle, von der die Archäologen sagen, dass sie vor 20.000 Jahren von eiszeitlichen Jägern des Öfteren aufgesucht worden sei.

 

Der Eingang liegt direkt unter der mit 343 m höchsten Erhebung des Berges. Die Höhle ist nur wenige Meter begehbar, führt aber als kleiner Gang weiter ins Innere. In der Bevölkerung wird diese Höhle nur das „Geldloch“ genannt. Der Name soll der Überlieferung nach daher kommen, dass hier Leute nach Schätzen gegraben und auch tatsächlich gefunden haben sollen.

 

Für Familien mit kleinen Kindern ist diese Höhle mit einem besonderen Brauch verbunden. Die Eltern verstecken unbeobachtet auf den zahlreich vorspringenden Kalksteinschichten Kleinmünzen, nach denen nun gesucht wird. Des Öfteren werden besonders gut versteckte Münzen nicht mehr entdeckt, so dass ältere Kinder, die hin und wieder zur Nachsuche vorbeikommen, immer mal wieder etwas Kleingeld finden. Somit trägt die Höhle den Namen „Geldloch“ zu recht.

 

Über die Höhle wird noch folgende Sage berichtet:

 

Es ist dies eine Höhle, die angeblich von dem Scharfenberg bis in das Dorf Hilwartshausen reicht, wo in dem Keller eines Hauses der Ausgang ist. Mehrmals haben Menschen versucht hindurchzugehen, aber der Gang wurde bald so schmal, dass sie nicht weiter kommen konnten. Einst hatte man vor den Eingang einen Pudel und eine Ente gesetzt; der Pudel lief weg, die Ente aber ist nach drei Wochen (nach anderen Aussagen nach drei Tagen) in Hilwartshausen in jenem Keller wieder zum Vorschein gekommen, doch war sie ganz erschöpft und hatte fast keine Federn mehr an den Seiten.

 

Nun rüsten wir uns wieder zum Heimweg. Wir bleiben auf dem Fußpfad und folgen ihm durch den Wald parallel zu den Wiesen. Die auf dem Weg liegende Bäume, die der Sturm „Niklas“ umgeworfen hat, umgehen wir seitwärts. Für den Rest des Weges bis zu „Sängershöh“ benutzen wir wieder die Wiesen. Von dem Aussichtsplatz führt in Kehren ein schmaler Pfad bergab. Unten angekommen halten wir uns links und folgen dem dortigen Feldweg bis zum Auto. Unterwegs laden einige Bänke zu Ruhepausen mit weitem Blick auf die Dörfer Hilwartshausen und Sievershausen ein. Insgesamt dauert die Wanderung ca. 1,5 Stunden.

Auf den Spuren der wilden Jäger

Im Herbst auf dem Wanderweg Sv1 unterwegs

 

von Detlef Creydt

 

Wir starten auf dem Parkplatz am Waldrand vor Abbecke. Zunächst besichtigen wir den Standort eines Holzkohlemeilers und genießen dann den Weitblick. An klaren Tagen können wir am links liegenden Scharfenberg entlang in der Ferne den Brocken erblicken. Eine Bank zur Linken lädt uns dazu ein.

Ein idyllisch anmutender Weg führt uns zu einem kleinen Teich, den wir auf der rechten Seite liegen lassen. Dann überqueren wir auf kleinen Holzbrücken drei wasserführende Gräben. Nun schlängelt sich der Pfad durch kleine Fichtenhörste und durchquert anschließend einen Hochwald, der mit Lärchen durchsetzt ist. Weiter geht es zum Hänicke-Stein, der zu Ehren des ehemaligen Revierförsters Adolf Hänicke gesetzt worden, der in diesem Revier von 1928 – 1949 seinen Dienst versah.

Wir gehen nun an der traditionsreichen Gaststätte Melching vorbei, halten uns rechts und biegen in den dortigen Forstweg, den Sandbornweg, ein. Nach kurzer Zeit sehen wir zur Linken auf die Wiesen und Weiden des Sandborntals. Es ist typisch für diesen Teil des Sollings. Wie die Finger einer Hand erstrecken sich fünf Täler von der Sievershäuser Feldmark in den Solling. Sie befinden sich in Privatbesitz und ragen in staatliches Gebiet. Man kann sich deshalb auch gut vorstellen, warum in alten Zeiten hier viel gewildert wurde: das fiskalische Rotwild trat allabendlich auf die Wiesen der Sievershäuser aus. Manch heimlich geschossener Hirsch wurde vormals, versteckt unter Heu, mit dem Pferdewagen ins Dorf gebracht.

Die Buchen und Eichen am Wegrand sind nicht aufrecht in die Höhe gewachsen, sondern wurden vielmehr durch Viehverbiss im Anfangswachstum kurz gehalten und sehen heute viel interessanter aus mit ihren über die Wiesen hängenden Zweigen als die geraden, in die Höhe gewachsenen Exemplare.

Nach ca. 15 Minuten sehen wir links unter uns eine kleine Hütte mit einigen Bänken davor.  Sie ist frei betretbar. Gebaut hat sie der Sollingfreund Heinrich Kanthagen. Der  verdienstvolle frühere Vorsitzende des Sollingvereins Dassel  hat sich hier im Sandborntal einen Traum erfüllt und eigenen Wald angepflanzt sowie diese Hütte errichtet. Am Ende seines Grundstückes sehen wir auf einem Holzabfuhrweg einen Grenzstein. Auf der fiskalischen Seite ist eine Wolfsangel eingemeißelt, auf der Sievershäuser Seite eine Zahl. Solche Grenzsteine umranden alle Sollingtäler und trennen Privatbesitz von Staatsbesitz.

Nach weiteren 15 Minuten passieren wir das links liegende Vosshaus, ein privates Jagdhaus.

Nun gelangen wir zum Ende des Wiesentals und sehen links eine Schneise. Für den Wanderer ist es gut zu wissen, dass der Boden hier feucht sein kann und der Wanderweg durch hohes Gras und Farnkraut führt, um auf die andere Talseite zu kommen. Dabei geht es ein kurzes Stück bergauf. Dort angekommen wählen wir den halblinks verlaufenden Abfuhrweg, der in eine höher gelegene Forststraße mündet. Der Weg dorthin führt durch einen schönen Buchenaltbestand (ca. fünf Gehminuten). Nun halten wir uns links bis wir zu einem Wegekreuz kommen, auf dem sich vier Forststraßen treffen. Hier steht die nach dem Forstort benannte „Wiedehorst-Schutzhütte“, in der wir uns von dem Anstieg erholen können.

Nach der Rast gehen wir auf der links liegenden Forststraße weiter. Dieser Weg führt nur noch bergab direkt nach der früheren Waldarbeiter-Siedlung Abbecke. Rechts taucht im Altholzbestand ein kleines Holzhäuschen auf. Es handelt sich dabei um eine umgebaute Rotwildfütterung, die heute als Lagerraum der Försterei Abbecke genutzt wird. Unter die alten Fichten wurden vereinzelt Buchen gepflanzt. So soll die heute noch im Solling dominierende Fichte zurückgedrängt werden, um langfristig mehr Laubholzbestände aufzubauen.

Allmählich nähert sich die Forststraße wieder den Sandbornwiesen und führt weiter an der offenen Fläche entlang. Kurz vor der Abbecker Straße mündet von oben her kommend auf der rechten Seite der „Franzosenweg“ in unsere Straße. Zwei tiefe Hohlwege, einer für die Bergfahrt, der andere für die Talfahrt, zeigen die einstige Bedeutung dieses Weges. Er kommt von Schönhagen über Lakenhaus und führte ehemals über Abbecke, Sievershausen nach Dassel und Einbeck. Im Siebenjährigen Krieg (1757 – 1763) zogen hier Tausende Franzosen von dem Weserübergang Beverungen-Lauenförde kommend über den Solling in das Ilmetal.

Am Ende unserer Wanderung stoßen wir nun auf die Abbecker Straße. Sie ist auf diesem Teil sehr hoch aufgeschottert, um ein Feuchtgebiet zu überqueren. Links sehen wir die Wassergewinnungsanlage von Sievershausen, die das saubere und gut schmeckende Wasser, das kaum Härtegrade aufweist, auffängt und ins Dorf weiterleitet. Rechts sehen wir einen idyllisch gelegenen Teich. Bei sonnigem Wetter können wir über der Wasserfläche das prächtige Flugspiel der unterschiedlichsten Libellenarten bewundern. Mit etwas Glück können wir vielleicht auch eine schwimmende Ringelnatter beobachten.

Auf dem leicht ansteigenden weiteren Weg sehen wir rechts in das schöne Abbecker Wiesental. Nach wenigen Minuten sind wir bei der Gaststätte Melching angekommen. Keinesfalls dürfen wir versäumen, ihr einen Besuch abzustatten. Diese schön gelegene und familiär geführte Gaststätte ist nicht nur bekannt wegen des schmackhaften Essens, sondern auch wegen des guten Kuchens und der schönen Torten. Bei gutem Wetter entlohnt unter alten Eichen ein herrliches und erfrischendes Bier im Freien für die Mühen der Wanderung. Abbecke wurde um 1780 als „Kolonie“ gegründet. Aus dieser Zeit stammen auch die 24 mächtigen Eichen, die als Allee die Häuser Abbeckes begleiten. Unter einer von ihnen sitzen wir hier nun und lassen es uns gut gehen.

Danach wandern wir wieder den schon bekannten Pfad zu unserem Auto zurück.

Je nach Kondition benötigen wir für die reine Wanderzeit etwa 1 Stunde und 30 Minuten.

So finden Sie uns:

Sollingverein e.V.  ·  Am Sägewerk 5  ·  37603 Holzminden - Neuhaus